Cloud-Betreiber haben kein Interesse an Standardisierung

(Bild: dpa, Tobias Hase)

Normen sind anscheinend nur gut, solange sie den Großen dienen: Beim IETF-Treffen setzten sich Microsoft, Yahoo und Google gegen chinesische Forscher durch, die einheitliches Datensynchronisieren zwischen Clouds verschiedener Anbieter ermöglichen wollen.

Eine Gruppe von Forschern der Tsinghua-Universität ist bei der Internet Engineering Task Force (IETF) mit ihrem Vorschlag abgeblitzt, das Synchronisieren von in der Cloud gespeicherten Daten zu normieren. Bei der aktuell laufenden 94. IETF-Konferenz in Yokohama lehnte ein Vertreter von Yahoo einen Standard für die Datensynchronisation unverblümt ab. Der Versuch, Dropbox zu standardisieren, mache angesichts der Marktsituation wenig Sinn, sekundierten Vertreter von Cisco.

Daten auf einem Server in der Cloud zu speichern liegt im Trend. 400 Millionen Nutzer hat allein Dropbox, und verursachte anno 2012 schon 4 Prozent des globalen Datenverkehrs bilanzierte Lei Zeqi von der Tsinghua Universität. Doch für Nutzer gibt es ein Problem: Die proprietären Lösungen der Marktriesen erschweren es, Daten umzuziehen oder auch nur zur Sicherheit bei mehreren Diensten zu hinterlegen. Da wäre ein Synchronisierungsstandard eine feine Sache.

Konzerne gegen Nutzer

Ein empathisches Nein bekamen Lei und seine Kollegen bei einem so genannten Birds-of-a-Feather-Treffen zur Antwort. Diese Treffen dienen in der IETF der Erkundung möglicher neuer Tätigkeitsfelder. Nicht immer entsteht dann tatsächlich eine Arbeitsgruppe und letztlich ein Standard daraus. Doch so massiv war der Widerstand großer US-Anbieter dagegen, einen Storage-Standard überhaupt anzugehen, dass sich nach dem Treffen der IETF-Vorsitzende Jari Arkko zum Einspruch aufgerufen sah.

Dass gleich eine Mehrheit einen Vorschlag „kaufe?, sei in diesem Fall keine Vorbedingung. „Ich möchte außerdem anmerken, dass große Hersteller nicht die einzigen sind, die festlegen, was Lösungen sind,? ergänzte Arkko. Während er sich auf Unternehmenskunden bezog, verwies Wolfgang Beck von der Deutschen Telekom noch in der Sitzung auf die Möglichkeiten für die ganz private Cloud beim Endnutzer, der ebenfalls von einem Standard profitieren würde.

Das Synchronisieren verteilter Daten ist ein Problem, das auch ein groß angelegtes Projekt amerikanischer Universitäten beackert. Synchrone Datenhaltung gehöre zu den Features, die Named Data Networking bieten werde, sagt Zhang Lixia, Professorin an der University of California in Los Angeles. Weil das wohl noch ein paar Jährchen dauert, wäre ein Standard, der Cloud-Nutzern mehr Flexibilität gibt, bis dahin doch ganz nützlich. (ea)

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